Alpenklinik Santa Maria

Therapie von Fütter- und Essstörungen

Therapie von Fütter- und Essstörungen von Patienten bis zum Grundschulalter

Dipl.-Psych. Dr.phil. Angela Specker

Ein Schwerpunkt: Fütter- und Essstörungen bei Säuglingen, Kleinkindern und Schulkindern

Die Klinik Santa Maria hat mit intensiver Vorbereitung ein Therapieangebot für Kinder  mit bronchopulmonalen und/oder kardialen Erkrankungen (auch ehemalige Frühgeborene) entwickelt, die eine Fütter- oder Essstörung haben. Diese Patienten und deren Eltern werden von einem interdisziplinären Team betreut. Sowohl Säuglinge und Kleinkinder (Altersgruppe 0 – 4 Jahre) als auch Patienten im Vor- bzw. Grundschulalter (Altersgruppe 5 – 10 Jahre), die eine Fütter- oder Essstörung haben, können von uns gezielt behandelt werden.

Das interdisziplinäre Team wird geleitet von Frau Dipl-Psych. Dr. phil. Angela Specker. Von ärztlicher Seite werden die Patienten und deren Eltern von Herrn Tobias Budick in enger Absprache mit dem Chefarzt der Klinik Prof. Dr. Josef Rosenecker betreut. Prof. Rosenecker hat als ehemaliger Oberarzt der neonatologischen Intensivstation und der Säuglingsstation am Dr. von Haunerschen Kinderspital über viele Jahre Frühgeborene mit nasogastraler Sondenernährung, PEG-Sonden und mit parenteraler Ernährung behandelt. Für die sehr aufwendige Pflege der Patienten mit Fütter- und Essstörungen sind speziell geschulte Kinderkrankenschwestern, Frau Carina Albrecht und Frau Friederike Kieslich, und die Intensivschwestern Frau Sabine Schmittinger und Frau Angelika Mantel zuständig.  Als Diätassistentin ist Frau Kresse mit im Team. Unterstützt wird die Klinik in diesem Schwerpunkt durch den Kinderarzt Dr. Gereon Schädler, Chefarzt des Krankenhauses für Kinder und Jugendliche Josefinum Augsburg, der seine Schwerpunkte in der Neuropädiatrie und Psychotherapie hat. Dieses interdisziplinäre Team bietet eine umfassende Betreuung und Therapie der Patienten und ihrer Begleitpersonen. Durch feste Ansprechpartner in der Klinik können wir Kontinuität und hohe Fachkompetenz sichern.

Die Unterbringung der betroffenen Patienten und ihrer Begleitpersonen erfolgt ab Oktober 2013 auf der psychosomatischen Station unserer Klinik in Eltern-Kind-Zimmern. Diese liegen etwas separiert von den anderen Gruppenräumen, in welchen Patienten mit atopischen Erkrankungen untergebracht sind. Dies bietet einen geschützten Rahmen mit Ruhe und Kontinuität. Zudem sind die Räumlichkeiten aus infektiologischer Sicht gut abgegrenzt.

Von einer „Fütter- oder Essstörung" spricht man, wenn ein Kind länger als einen Monat Symptome wie Essunlust, sehr wählerisches Essverhalten, Nahrungsverweigerung (auch in Zusammenhang mit Angst vor dem Essen) oder aber dem Alter unangemessene Nahrung/Fütterung zeigt (vgl. v. Hofacker, 2012). Häufig sind die Mahlzeiten bei diesen Patienten sehr zeitaufwendig (länger als 45 Minuten) und die Eltern haben schon viele verschiedene Versuche unternommen, die Probleme beim Essen zu bewältigen (z.B. durch Ablenkung, Druck, Ignorieren etc.).

Füttern und Essen erfolgt von Anfang an im Kontext der Beziehung und Interaktion zwischen Eltern und Kind, daher verstehen wir Störungen dieses Prozesses immer als Belastung der Interaktion und Beziehung zwischen Eltern und Kind.

Fütter- und Essstörungen können einerseits im Zusammenhang mit organischen oder psychischen Grunderkrankungen des Kindes auftreten. In solchen Fällen ist die Fütter- und Essproblematik als Begleiterscheinung der zugrundeliegenden körperlichen oder psychischen Erkrankung zu sehen. In der Regel kommt es mit Besserung der Grunderkrankung auch zu einer Besserung der Fütterstörung.

Fütter- und Essstörungen können aber auch bei primär körperlich-seelisch gesunden Kindern auftreten. Dabei können im Säuglings- und Kleinkindalter verschiedene Untergruppen unterschieden werden (Chatoor 2011). So haben manche Säuglinge in den ersten Lebensmonaten Regulationsprobleme, die sich in unstillbaren Schreiepisoden, Schlafproblemen oder auch Fütterproblemen äußern können. Bei anderen Kindern kann es infolge grundlegender elterlicher Belastungen mit Einschränkungen in der elterlichen Fürsorge zu Fütter- und Gedeihstörungen zu kommen. Bei manchen Kindern kann sich typischerweise im Alter zwischen 9 Monaten und 3 Jahren ein regelrechter Machtkampf um das Thema „Essen" entwickeln, diese Kinder haben oft ein vermindertes Hungergefühl. Sie sind andererseits aber willensstark und sehr an ihrer Umwelt interessiert, so dass sie nach kurzer Zeit am Tisch die Lust am Essen verlieren. Wiederum andere Kinder zeigen ausgesprochene Vorlieben oder Abneigungen gegenüber ganz bestimmten Nahrungsmitteln und essen zunehmend selektiv. Schließlich entwickeln einige Kinder nach Eingriffen im Bereich des Magen-Darm-Traktes, gelegentlich auch nach Anwendung von Zwang eine panische Abwehr gegenüber Berührung und sonstigen Reizen im Gesichtsbereich, so dass es zu anhaltender Nahrungsverweigerung kommen kann.

Nach einer umfassenden, somatischen sowie psychologischen Diagnostik inklusive der Beobachtung einer Essenssituation sowie der Eltern-Kind-Interaktion erfolgt im interdisziplinären Team die Klassifikation der Fütter- bzw. Essproblematik entsprechend den bekannten Untergruppen (s.o.). Anschließend werden mit der Begleitperson realistische Therapieziele und –schritte vereinbart bzw. besprochen. In der Therapie greifen die Bereiche Medizin – Psychologie – Pflege – therapeutische Abteilung (inkl. Ernährungs-, Moto-, Physio-, Ergo- und Sporttherapie) ineinander.

Der behandelnde Arzt sichert die medizinische Versorgung, die Anpassung der medikamentösen Behandlung und kontrolliert regelmäßig den Gesundheitszustand des Kindes. Bei Bedarf wird zusätzliche Diagnostik (z.B. Allergietestung, neurologische Untersuchung o.ä.) angefordert.

Von Seiten der Psychologie werden verhaltenstherapeutische Interventionen (z.B. Essensregeln, Desensibilisierung, Verstärkungslernen etc.) ebenso angeboten wie psychologische Beratungen zur Eltern-Kind-Interaktion. Begleitend hierzu werden Gespräche zur Aufarbeitung psychodynamisch relevanter Themen angeboten. Oftmals gibt es in der Lebensgeschichte der Eltern belastende Erfahrungen, deren Bearbeitung den therapeutischen Prozess unterstützt und fördert. Zudem können die schwierigen Fütter- und Esssituationen Gefühle von Versagen, Angst und Hilflosigkeit sowie Ärger gegenüber dem Kind auslösen, was wiederum im Rahmen der psychologischen Gespräche thematisiert werden kann.

Die Pflegekräfte sind neben der rein somatischen Pflege auch die direkten Ansprechpartner und Bezugspersonen für Patienten und ihre Angehörigen und stützen die Eltern in kritischen Phasen. Krisensituationen können z.B. bei Trennungs- oder Grenzsetzungskonflikten, beim Einschlafen oder Essen auftauchen. Bei Bedarf entlasten die (Kinder-)Krankenschwestern und können so alle Beteiligten beruhigen und unterstützen. Zudem begleiten die Pflegekräfte bestimmte Interaktionssituationen (z.B. das Füttern) und können dabei hilfreiche Tipps geben. Des Weiteren werden abwechslungsreiche Angebote für die Kinder und ihre Eltern zur Freizeitgestaltung durch die Pflege organisiert bzw. auch angeboten.

Neben den Therapien, welche aufgrund der bronchopulmonalen und/oder pulmokardialen Grunderkrankung der Patienten während der Rehabilitation verordnet werden (z.B. Atemgymnastik, Bindegewebsmassage, Sporttherapie usw.), kommen individuelle Anwendungen zum Einsatz. Hierzu zählen beispielsweise Moto- oder Ergotherapie, eine speziell auf die Bedürfnisse des Patienten angepasste Ernährungsberatung, therapeutisches Klettern (je nach Alter des Patienten), Einzel-Physiotherapie oder auch Entspannungstraining.

Die Diätassistentin im Team kümmert sich zudem um die Zubereitung der zur Therapiezielerreichung notwendigen Speisen, welche je nach vorliegender Problematik in Konsistenz, Textur, Geschmack, Temperatur oder Inhaltsstoffen variieren können.

Während des Aufenthaltes und Therapie in der Klinik kommt das interdisziplinäre Team zu regelmäßigen Fallbesprechungen zusammen, um gemeinsam die Therapieziele zu kontrollieren und gegebenenfalls Therapien anzupassen. Supervidiert wird das Team dabei durch Herrn Dr. Schädler, welcher zudem konsilärztlich unsere Patienten mitbetreut. Zur Sicherstellung der Nachbetreuung der Rehabilitanten und ihrer Familien vermitteln wir diese nach Möglichkeit an Kollegen in Wohnortnähe.

Fallberichte zur Behandlung von selektiven Essverhaltens

von DIPL.-PSYCH. DR. A. SPECKER

Patient T.: Von August bis September des vergangenen Jahres war der fünfjährige T. in Santa Maria
gemeinsam mit seiner Mutter zu einer Rehabilitationsmaßnahme aufgenommen. T. aß
äußerst selektiv und ... (Den ausführlichen Bericht lesen Sie hier.)

Dipl.-Psych. A. Specker

Im Juli vergangenen Jahres wurde der zweieinhalbjährige F. zusammen mit seiner Mutter in unserem Haus zu einer Rehabilitationsmaßnahme aufgenommen. F. war ein ehemaliges Frühgeborenes mit einem Geburtsgewicht von nur 720 Gramm. Da er nicht alters- und entwicklungsentsprechend zunahm, wurde ihm fünf Monate vor der Aufnahme in Santa Maria eine Magensonde (PEG) gelegt. Daraufhin legte F. zwar an Gewicht zu, allerdings erbrach er sehr häufig und nahm auf „normalem" Weg keine Nahrung mehr zu sich. Die ganze Familie litt sehr unter dieser Belastung, so dass das Ziel des Aufenthalts war, F. wieder an altersgerechte Kost zu gewöhnen und somit die Entwöhnung von der Sonde einzuleiten.

Zu Beginn der sechswöchigen Rehabilitationsmaßnahme wurde ein ausführliches Anamnesegespräch mit den Eltern geführt und die verschiedenen Therapien, Chancen und Grenzen besprochen. Eingangs wurde eine Mahlzeit mit anschließender Sondierung gefilmt und analysiert. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse ...

Den gesamten Fallbericht können Sie unten unter "Downloads" in der entsprechenden pdf-Datei nachlesen

Dr. N. von Hofacker

Am 02. Dezember 2013 fand für Ärzte, Psychologen, Pflegekräfte und Pädagogen ein Inhouse-Seminar von Dr. Nikoklaus von Hofacker statt. Herr Dr. von Hofacker ist Kinderarzt, Kinder- und Jugendpsychiater und Psychotherapeut. Als einer der führenden Experten auf dem Gebiet der Diagnose und Therapie von Fütter- und Essstörungen im Kindesalter betreut er unsere Patienten als Konsilarzt mit.

In der folgenden Zusammenfassung des Seminars werden zunächst mögliche Ursachen bzw. Entstehungsfaktoren für eine (früh-) kindliche Fütter- und Essstörung dargestellt. Anschließend werden verschiedene Erscheinungsformen erklärt und auf Grundzüge der Therapie eingegangen.

"Sollten Sie aufgrund von Fütter- oder Essproblemen Ihres Kindes zu uns zur Rehabilitation kommen oder daran Interesse haben, bitte kontaktieren Sie uns vorab telefonisch unter 08324-780 oder per E-Mail unter info@santa-maria.de."

Downloads zum Thema Fütter- und Essstörungen

Sondenentwöhnung
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Fütter- und Essstörungen
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Riedlesweg 9
87541 Bad Hindelang-Oberjoch

Telefonnummer Alpenklinik Santa Maria 08324 / 78-0
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Emailadresse Alpenklinik Santa Maria info@santa-maria.de
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