Alpenklinik Santa Maria

Therapie von Fütter- und Essstörungen

Therapie von Fütter- und Essstörungen bei Kinder

Die Alpenklinik Santa Maria verfügt bereits seit mehreren Jahren über ein Therapieangebot für Kinder mit Fütter- und Essstörungen. Dies können Kinder mit körperlichen Erkrankungen sein, z.B. ehemalige Frühgeborene, Kinder mit genetischen Erkrankungen oder Kinder, die eine Ernährungssonde benötigen und davon entwöhnt werden sollen. Aber auch Kinder mit Untergewicht auf Grund von einem äußerst gering ausgeprägten Hungergefühl oder Kinder mit einem extrem wählerischen Essverhalten werden bei uns aufgenommen.
Sowohl Säuglinge und Kleinkinder (Altersgruppe 0 – 4 Jahre) als auch Patienten im Vor- bzw. Grundschulalter (Altersgruppe 5 – 10 Jahre), die eine Fütter- oder Essstörung haben, können von uns gezielt behandelt werden.

Wenn Sie Interesse an einer Aufnahme auf unserer psychosomatischen Station haben, dann nehmen Sie bitte persönlich mit uns Kontakt auf, per E-Mail unter info@santa-maria.de und fügen Sie gegebenenfalls vorhandene Unterlagen bei.

Das interdisziplinäre Team wird geleitet von Oberärztin Dr. Antonia Eccles, Kinderärztin und Neonatologin. Frau Dr. Eccles hat durch ihre Arbeit in der Früh- und Neugeborenenmedizin langjährige Erfahrung in der Versorgung von Patienten mit Ernährungssonden und Fütterschwierigkeiten. Die psychologische Betreuung erfolgt durch Frau Corina Walliser, MSc., derzeit in Weiterbildung in klinischer Psychologie und integrativer Eltern-Säuglings-/Kleinkind-Beratung. Wichtige Ansprechpartner im Team sind zudem die Kinderkrankenschwestern, welche speziell in der Betreuung von Kindern mit Fütter- und Essstörungen geschult sind. Ebenfalls in die Behandlung miteingebunden, sind die Sport- und Bewegungstherapeuten der Alpenklinik, sowie die Physiotherapeuten und Mototherapeuten, so dass auch Kinder mit Entwicklungsverzögerungen und Behinderungen gut bei uns aufgehoben sind. Die Diätassistentinnen im Team beraten Sie bei Fragen nach der Ausgewogenheit der Ernährung und nach Möglichkeiten der Kalorienanreicherung. Unterstützt wird das Team außerdem vom Chefarzt der Klinik Prof. Dr. Josef Rosenecker, der als ehemaliger Oberarzt der neonatologischen Intensivstation und der Säuglingsstation am Dr. von Haunerschen Kinderspital über viele Jahre Frühgeborene mit nasogastraler Sondenernährung, PEG-Sonden und mit parenteraler Ernährung behandelt hat. Dieses interdisziplinäre Team bietet eine umfassende Betreuung und Therapie der Patienten und ihrer Begleitpersonen. Die jeweils zuständigen Mitarbeiter begleiten beispielsweise das Mittagessen, geben wertvolle Anregungen für den Alltag, bieten Gespräche an und helfen bei der Erweiterung des Nahrungsspektrums.

Aufgrund des Umbaus der Klinik werden die Familien derzeit, gemeinsam mit den anderen PatientInnen und Begleitpersonen, in Eltern-Kind-Zimmern auf der Gruppe Dachse untergebracht. Das Essen findet allerdings in einem eigenen Speiseraum statt. Nach Fertigstellung des Umbaus (voraussichtlich Sommer 2018) erfolgt dann die Unterbringung auf der psychosomatischen Station unserer Klinik in Eltern-Kind-Zimmern. Diese umfasst ein separates Stockwerk, mit Küche bzw. Speiseraum, Aufenthaltsraum und Therapiezimmer. Dies bietet einen geschützten Rahmen mit Ruhe und Kontinuität.

Von einer „Fütter- oder Essstörung" spricht man, wenn ein Kind länger als einen Monat Symptome wie Essunlust, sehr wählerisches Essverhalten, Nahrungsverweigerung (auch in Zusammenhang mit Angst vor dem Essen) oder aber dem Alter unangemessene Nahrung/Fütterung zeigt (vgl. v. Hofacker, 2012). Häufig sind die Mahlzeiten bei diesen Patienten sehr zeitaufwendig (länger als 45 Minuten) und die Eltern haben schon viele verschiedene Versuche unternommen, die Probleme beim Essen zu bewältigen (z.B. durch Ablenkung, Druck, Ignorieren etc.).

Füttern und Essen erfolgt von Anfang an im Kontext der Beziehung und Interaktion zwischen Eltern und Kind, daher verstehen wir Störungen dieses Prozesses immer als Belastung der Interaktion und Beziehung zwischen Eltern und Kind.

Fütter- und Essstörungen können einerseits im Zusammenhang mit organischen oder psychischen Grunderkrankungen des Kindes auftreten. In solchen Fällen ist die Fütter- und Essproblematik als Begleiterscheinung der zugrundeliegenden körperlichen oder psychischen Erkrankung zu sehen. In der Regel kommt es mit Besserung der Grunderkrankung auch zu einer Besserung der Fütterstörung.

Fütter- und Essstörungen können aber auch bei primär körperlich-seelisch gesunden Kindern auftreten. Dabei können im Säuglings- und Kleinkindalter verschiedene Untergruppen unterschieden werden (Chatoor 2011). So haben manche Säuglinge in den ersten Lebensmonaten Regulationsprobleme, die sich in unstillbaren Schreiepisoden, Schlafproblemen oder auch Fütterproblemen äußern können. Bei anderen Kindern kann es infolge grundlegender elterlicher Belastungen mit Einschränkungen in der elterlichen Fürsorge zu Fütter- und Gedeihstörungen zu kommen. Bei manchen Kindern kann sich typischerweise im Alter zwischen 9 Monaten und 3 Jahren ein regelrechter Machtkampf um das Thema „Essen" entwickeln, diese Kinder haben oft ein vermindertes Hungergefühl. Sie sind andererseits aber willensstark und sehr an ihrer Umwelt interessiert, so dass sie nach kurzer Zeit am Tisch die Lust am Essen verlieren. Wiederum andere Kinder zeigen ausgesprochene Vorlieben oder Abneigungen gegenüber ganz bestimmten Nahrungsmitteln und essen zunehmend selektiv. Schließlich entwickeln einige Kinder nach Eingriffen im Bereich des Magen-Darm-Traktes, gelegentlich auch nach Anwendung von Zwang eine panische Abwehr gegenüber Berührung und sonstigen Reizen im Gesichtsbereich, so dass es zu anhaltender Nahrungsverweigerung kommen kann.

Nach einer umfassenden, somatischen sowie psychologischen Diagnostik inklusive der Beobachtung einer Essenssituation sowie der Eltern-Kind-Interaktion z.B. durch Videographie, erfolgt im interdisziplinären Team die Klassifikation der Fütter- bzw. Essproblematik entsprechend den bekannten Untergruppen (s.o.). Anschließend werden mit der Begleitperson realistische Therapieziele und –schritte vereinbart bzw. besprochen. Auch im weiteren Verlauf wird die Videographie zur Anpassung und Prozessbegleitung genutzt. In der Therapie greifen die Bereiche Medizin – Psychologie – Pflege – therapeutische Abteilung (inkl. Ernährungs-, Moto-, Physio-, Ergo- und Sporttherapie) ineinander.

Die behandelnde Ärztin sichert die medizinische Versorgung, die Anpassung der medikamentösen Behandlung und kontrolliert regelmäßig den Gesundheitszustand des Kindes. Bei Bedarf wird zusätzliche Diagnostik durchgeführt.

Von Seiten der Psychologie werden verhaltenstherapeutische Interventionen (z.B. Desensibilisierung, Verstärkungslernen etc.) ebenso angeboten wie psychologische Beratungen zur Eltern-Kind-Interaktion. Begleitend hierzu werden Gespräche zur Aufarbeitung psychodynamisch relevanter Themen angeboten. Oftmals gibt es in der Lebensgeschichte der Eltern belastende Erfahrungen, deren Bearbeitung den therapeutischen Prozess unterstützt und fördert. Zudem können die schwierigen Fütter- und Esssituationen Gefühle von Versagen, Angst und Hilflosigkeit sowie Ärger gegenüber dem Kind auslösen, was wiederum im Rahmen der psychologischen Gespräche thematisiert werden kann.

Die Pflegekräfte sind neben der therapeutischen Begleitung des Mittagessens auch die direkten Ansprechpartner und Bezugspersonen für die Patienten und ihre Angehörigen. Im Behandlungsverlauf können Krisensituationen z.B. bei Trennungs- oder Grenzsetzungskonflikten während des Essens auftauchen. Hierbei gibt es, je nach Bedarf, die Möglichkeit einer Erziehungsberatung durch die Diplom-Sozialpädagogin unseres Teams. Zudem begleiten die Pflegekräfte bestimmte Essenssituationen und bieten dabei Unterstützung und Orientierung.

Je nach Grunderkrankung der Patienten kommen weitere indivuduelle Anwendungen zum Einsatz. Hierzu zählen beispielsweise Sport-, Moto- oder Ergotherapie, eine speziell auf die Bedürfnisse des Patienten angepasste Ernährungsberatung, therapeutisches Klettern (je nach Alter des Patienten), Einzel-Physiotherapie oder auch Entspannungstraining.

Die Diätassistentin im Team kümmert sich zudem um die Zubereitung der zur Therapiezielerreichung notwendigen Speisen, welche je nach vorliegender Problematik in Konsistenz, Textur, Geschmack, Temperatur oder Inhaltsstoffen variieren können. Überdies wird bei Bedarf ein Beratungsgespräch zur Anreicherung von Speisen angeboten.

Während des Aufenthaltes und Therapie in der Klinik kommt das interdisziplinäre Team zu regelmäßigen Fallbesprechungen zusammen, um gemeinsam die Therapieziele zu kontrollieren und gegebenenfalls Therapien anzupassen.

Fallberichte zur Behandlung von selektiven Essverhaltens

von DIPL.-PSYCH. DR. A. SPECKER

Patient T.: Von August bis September des vergangenen Jahres war der fünfjährige T. in Santa Maria
gemeinsam mit seiner Mutter zu einer Rehabilitationsmaßnahme aufgenommen. T. aß
äußerst selektiv und ... (Den ausführlichen Bericht lesen Sie hier.)

Dipl.-Psych. A. Specker

Im Juli vergangenen Jahres wurde der zweieinhalbjährige F. zusammen mit seiner Mutter in unserem Haus zu einer Rehabilitationsmaßnahme aufgenommen. F. war ein ehemaliges Frühgeborenes mit einem Geburtsgewicht von nur 720 Gramm. Da er nicht alters- und entwicklungsentsprechend zunahm, wurde ihm fünf Monate vor der Aufnahme in Santa Maria eine Magensonde (PEG) gelegt. Daraufhin legte F. zwar an Gewicht zu, allerdings erbrach er sehr häufig und nahm auf „normalem" Weg keine Nahrung mehr zu sich. Die ganze Familie litt sehr unter dieser Belastung, so dass das Ziel des Aufenthalts war, F. wieder an altersgerechte Kost zu gewöhnen und somit die Entwöhnung von der Sonde einzuleiten.

Zu Beginn der sechswöchigen Rehabilitationsmaßnahme wurde ein ausführliches Anamnesegespräch mit den Eltern geführt und die verschiedenen Therapien, Chancen und Grenzen besprochen. Eingangs wurde eine Mahlzeit mit anschließender Sondierung gefilmt und analysiert. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse ...

Den gesamten Fallbericht können Sie unten unter "Downloads" in der entsprechenden pdf-Datei nachlesen

Dr. N. von Hofacker

Am 02. Dezember 2013 fand für Ärzte, Psychologen, Pflegekräfte und Pädagogen ein Inhouse-Seminar von Dr. Nikoklaus von Hofacker statt. Herr Dr. von Hofacker ist Kinderarzt, Kinder- und Jugendpsychiater und Psychotherapeut. Als einer der führenden Experten auf dem Gebiet der Diagnose und Therapie von Fütter- und Essstörungen im Kindesalter betreut er unsere Patienten als Konsilarzt mit.

In der folgenden Zusammenfassung des Seminars werden zunächst mögliche Ursachen bzw. Entstehungsfaktoren für eine (früh-) kindliche Fütter- und Essstörung dargestellt. Anschließend werden verschiedene Erscheinungsformen erklärt und auf Grundzüge der Therapie eingegangen.

Downloads zum Thema Fütter- und Essstörungen

Sondenentwöhnung
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Fütter- und Essstörungen
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Alpenklinik Santa Maria
Riedlesweg 9
87541 Bad Hindelang-Oberjoch

Telefonnummer Alpenklinik Santa Maria 08324 / 78-0
Faxnummer Alpenklinik Santa Maria 08324 / 78- 101
Emailadresse Alpenklinik Santa Maria info@santa-maria.de
Riedlesweg 9 87541 Bad Hindelang-Oberjoch 08324 / 78-0 08324 / 78- 101 info@santa-maria.de

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